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16.07.2015

Finanzvertrieb: Haftungsgefahren bei Umwandlung geschlossener Fonds in Aktien

Viele Anleger erwarten von ihrem Berater Unterstützung bei der Entscheidung, ob sie einem Umwandlungsangebot zu ihrem notleidenden geschlossenen Fonds in Aktien zustimmen sollen oder nicht. Da solche Angebote, soweit sie realisiert wurden, bisher den betroffenen Anlegern meist keinen Vorteil oder sogar Nachteile brachten, kann diese Dienstleistung zu brisanten Haftungsfolgen für die jeweiligen Berater führen.

Hintergrund

Die bekannte Fachzeitschrift "börse-online" beschäftigt sich in einem Beitrag vom 23.06.2015 anhand von drei Beispielen, der Lloyd Schifffahrts AG, der Deutsche Capital Management AG (DCM) und des Canada Gold Trust mit Angeboten von Umwandlungen von geschlossenen Fonds bzw. Darlehn in Aktienanlagen (http://www.boerse-online.de/nachrichten/fonds/Geschlossene-Fonds-Deal-mit-schlechten-Karten-1000673083/3). Angesichts der aktuellen Vielzahl von notleidenden Fonds mit meist wenig Aussicht auf eine für Anleger verlustfreie Lösung kann man davon ausgehen, dass solche Umwandlungsangebote in Aktien in der Zukunft eher zunehmen werden. Das bringt dann Berater, die ihren Kunden eine entsprechende Unterstützung bei der Entscheidungsfindung kaum abschlagen können, in eine schwierige und eventuell haftungsrelevante Situation.

Problematische Informationslage

Berater, die willens sind, ihre Kunden im Falle von Umwandlungsangeboten zu unterstützen, müssen sich zunächst mit dem Angebot selbst und den Grundlagen der Umwandlung befassen. Das ist ein extrem schwieriges Feld, weil solche Angebote in aller Regel nicht wirklich beurteilbar sind. Das ergibt sich schon aus der Interessenlage der jeweiligen Fondsgesellschaft, die bei geglückter Umwandlung die Verantwortung für den Fonds weitgehend abgibt. Deshalb besteht die Gefahr, dass von dieser Seite wenig Interesse an einer ausgewogenen Information der betroffenen Beteiligten vorhanden ist. Die Fondsgesellschaft ist schließlich in der Regel der erste Nutznießer einer geglückten Umtauschaktion.

Da in bestimmten Fällen bei einem solchen Umtausch keine Prospektpflicht besteht, dürfte schon der Nachweis einer eventuellen Falschinformation häufig nicht möglich sein. Der den Anleger bei der Entscheidung beratende Finanzberater bekommt so einen Großteil der Verantwortung und damit der Haftungsgefahr aus dieser Umwandlung aufgebürdet, obwohl er selbst zwangsläufig schlecht informiert ist.

Lösungsansätze

Finanzberater, die aufgrund ihres Bestrebens zum Erhalt und zur Vertiefung der Kundenbeziehung eine Unterstützung ihrer Kunden in solchen Umwandlungsfällen meinen leisten zu müssen, ist dringend eine offene Kommunikation mit ihrem Kunden und eine penible Dokumentation ihrer Unterstützungs- bzw. Beratungstätigkeit im Rahmen eines Beratungsprotokolls zu empfehlen. Dieses sollte auf allgemein bekannte Risiken und Chancen solcher Umwandlungen hinweisen, die mit der Umwandlung verbundenen Kosten, soweit bekannt, ansprechen und die wichtigsten gesellschaftsrechtlichen Veränderungen nennen. Wichtig ist auch die Darstellung der Veränderung bei den Bedingungen einer Veräußerung.

Allerdings enthält gerade dieser Punkt das Risiko von auftretenden Missverständnissen, weil z.B. zwar einerseits Aktien eventuell über die Börse veräußerbar sind, die Liquidität bzw. Fungibilität also bei der Umwandlung in Aktienanlagen erhöht wird, andererseits aber dazu ein funktionierender Markt vorhanden sein muss. Ganz wichtig ist im Beratungsprotokoll der Hinweis, dass bei der Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer Umwandlung kaum objektiv nachprüfbare Fakten zur Verfügung stehen, weil viele Details zum jeweils aktuellen Zustand eines Fonds letztendlich Geheimwissen der Fondsgesellschaft bleiben.

Wichtig ist auch, die Risiken und Chancen einer Umwandlung gleichermaßen sachlich und ausgewogen darzustellen. Schließlich kann bei einem Kunden nicht nur bei einer erfolgten Umwandlung, die dann letztendlich scheitert oder Verluste produziert, Schaden entstehen. Auch im Falle einer Ablehnung der Umwandlung, die dann für diejenigen Beteiligten, die zugestimmt haben, zu einem Erfolg wird, kann Schaden entstehen, weil der jeweilige Kunde mangels Einwilligung dann am Erfolg eventuell nicht teilhaben kann.

Beratern ist in jedem Fall dringend davon abzuraten, sich die Darstellungen der Fondsgesellschaften bzw. Initiatoren kritiklos zu eigen zu machen.

Zusammenfassung

Die Unterstützung des Kunden bei der Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Umwandlungen von Fonds und dergl. in Aktienanlagen enthält also eine Menge von Haftungsrisiken und ist schon bei der Gestaltung der Beratungsdokumentation außerordentlich aufwändig. Es versteht sich von selbst, dass solche Beratungen nur unter Marketinggesichtspunkten überhaupt sinnvoll erscheinen. Wo es möglich ist, sollten sie vermieden werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.