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01.07.2015

Finanzberater: Probleme bei der Fondsauswahl

Berater, die den Fähigkeiten der Manager der derzeit allseits beliebten Misch- und Absolute Return-Fonds nicht vertrauen mögen, haben es besonders schwer. Gerade die sicherheitsorientierten Anleger verlangen häufig sowohl Sicherheit als auch Rendite, was sich meist gegenseitig ausschließt.

Hintergrund

Auch wenn es zu allen Zeiten nicht ganz einfach ist und war, die richtige Fondsklasse und dann den richtigen Fonds für den Bedarf des Kunden zu treffen, derzeit erscheint das jedoch besonders schwierig. Das liegt an der ungewöhnlichen Vielzahl von anstehenden Problemen und Ereignissen in der Weltwirtschaft, von der Ukrainekrise bis zum Griechenland-Problem, und der Tatsache, dass man sich derzeit kaum auf Erfahrungen der Vergangenheit stützen kann. Der Hauptgrund: Die weltweit wirksame Niedrigzinspolitik von EZB und FED. Schließlich gab es Ähnliches in dieser Ausgestaltung in der Vergangenheit so gut wie nicht.

Beispiel:

Immer wieder kommen attraktive Unternehmensanleihen teilweise namhafter Emittenten an den Markt, die Zinssätze jenseits der 6 % und damit bei einem Vielfachen derjenigen von Bankeinlagen und Bundesanleihen bieten. Gerade wurde eine Anleihe des größten französischen Schifffahrtsunternehmens und der weltweit drittgrößten Containerschifffahrtsreederei CMA CGM mit einem Zinssatz von 7,75 % emittiert. Internetaffine Kunden, die das entdeckt haben, fragen sich, ob sie nicht auch in diesen Markt mit den attraktiven Zinsen investieren sollen. Der Berater beginnt den Kunden nun auf die Risiken hinzuweisen: Die Anleihe ist in Euro emittiert, am Weltschifffahrtsmarkt wird jedoch in US-Dollar abgerechnet. Wenn der Dollar zum Euro weiter steigen sollte, was manche Experten erwarten, dann steigen auch die Kosten des Reeders mit. Die Frachtraten dümpeln derzeit an einem Tiefpunkt, was an den massenhaften Insolvenzen von deutschen Schiffsfonds gut ablesbar ist. Die Einnahmen in US Dollar, die von einem eventuell weiter steigenden Dollar profitieren würden, könnten also die Kostensteigerungen eventuell nicht ausgleichen. Die Containerschifffahrt befindet sich, u.a. wegen der Verbreiterung des Panama-Kanals im Umbruch. Schwer zu sagen, ob CMA CGM mit seiner 400 Schiffe umfassenden Flotte diesen Umbruch rechtzeitig und erfolgreich hinbekommt. Der Markt ist sich offenbar nicht so sicher, sonst müsste die Reederei nicht 7,75 % Zinsen bieten.

Fondsanlagen

Corporate Bonds nennt man in der von angloamerikanischen Begriffen dominierten Branche die Unternehmensanleihen. Klickt man z.B. in der Datenbank der Deutschen Bank www.maxblue.de die Unternehmensanleihen an, es sind mehr als tausend, und sortiert sie nach dem Ergebnis im laufenden Jahr, dann wird deutlich, dass diejenigen Fonds, die in Corporate Bonds der Schwellenländer (Emerging Markets) investiert haben, am besten abschnitten und die Euro Corporate Bonds am schlechtesten.

Die Unterschiede sind beträchtlich. Der schlechteste Euro Corporate Bond weist in diesem Jahr bis zum 11.06.2015 ein Minus von rund 7 % aus. Die besten Emerging Market Bond Fonds haben im laufenden Jahr ein Plus von gut 10 % erreicht. Die unterschiedlichen Renditen liegen natürlich hauptsächlich in Währungsentwicklung begründet. Zum Jahreswechsel notierte der Euro zum Dollar noch deutlich über 1,20.

Daraus den Schluss zu ziehen, dass man jetzt besser in Emerging Market Corporate Bonds investiert, wäre vor allem dann falsch, wenn der Euro wieder ansteigen sollte. Dass das so kommt, liegt hauptsächlich in den Händen der Politik und der Notenbanken. Es zeigt sich jedenfalls dass die Währungsentwicklung ein wesentlicher Faktor der Wertentwicklung von Anleihen und Rentenfonds sein kann. Schon kleine Währungsbewegungen können eine bezüglich der Zinsentwicklung erfolgreiche Anlagestrategie ins Gegenteil verkehren. Die Anlage in fremden Währungen (z.B. durch Nutzung von Fonds, die in den Emerging Markets anlegen) enthält also Risiken, die zu einer sicherheitsorientierten Altersvorsorgeanlage wenig passen. Deshalb muss man auf diese interessante Fondsklasse nicht unbedingt verzichten. Es gibt z.B. vermögensverwaltende Dachfonds die immer mal wieder mit Teilen des Fondsvermögens die Chancen dieser Fondsklassen nutzen.

Beispiele:

Fondsname

Wertpapierkennummer

Performance im laufenden

Kalenderjahr per 11.06.2015

EuroSwitch Defensive Concepts OP

A0M979

+ 3,48 %

Sauren Global Defensiv

214466

+ 3,37 %

Disclaimer: Dies ist keine Anlageempfehlung. Es handelt sich vielmehr um zwei typische Dachfonds, die man deshalb als vermögensverwaltend bezeichnen kann, weil sie gezielt den Bedarf von Anlegern abdecken wollen, die eine sicherheitsorientierte Anlage suchen. Neben den beiden genannten Fonds können auf der gleichfalls genannten und weiteren Datenplattformen im Internet weitere defensiv orientierte Fonds ausfindig gemacht werden, die teilweise vermögensverwaltende Ansätze verfolgen. Die Anlageergebnisse sind, wie in obigem Beispiel, meist nicht vollständig miteinander vergleichbar, weil fast immer das erklärte Anlageziel mit unterschiedlichen Fondsgestaltungen und graduell unterschiedlichen Risikoansätzen erreicht werden soll.

Beide Fonds legen Teile des Vermögens auch in Aktienfonds an. Der Sauren Fonds ist international ausgerichtet, der EuroSwitch-Fonds beschränkt sich auf Europa und ist wegen des deshalb geringeren Währungsrisikos defensiver einzuschätzen.

Beratern, die weiterhin die Auswahl der Einzelfonds für ihre Kunden selbst durchführen wollen, sei dringend empfohlen, den Weg der Auswahl im Beratungsprotokoll zu beschreiben. Nur so können sie im Ernstfall ihre Expertise auch vor Gericht glaubhaft darstellen. Auch freundlichen Richtern leuchtet nämlich nicht so leicht ein, dass ein Berater neben Kundenbesuchen, der Administration usw. die gesamte in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Fondslandschaft von gut 20.000 Fonds im Auge behalten und daraus sinnvoll auswählen kann.

Zusammenfassung

Manchen Anlegern ist bis heute nicht klar, dass Anleihen Risiken enthalten können. Diese Vorprägung erhöht das Risiko der Berater, irgendwann in Zusammenhang mit Rentenfonds mit Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden. Das tritt vor allem dann ein, wenn die Zinsen wieder angestiegen und die meisten Anleihen und damit auch die Rentenfonds Wertverluste erlitten haben. Dagegen kann, wie oben beschrieben, mit relativ einfachen Mitteln vorgesorgt werden. Besondere Vorsicht ist bei der Empfehlung von risikobehafteten Anleiheformen und Fonds, die in solche Anleihen investieren, auf jeden Fall angebracht.