Aktuelles

26.06.2015

Zinswende in Sicht: Was ist zu tun?

Viele Berater und Anleger beschäftigt die Frage: Welche Anlage ist unter dem Aspekt eventuell demnächst wieder steigender Zinsen die Richtige? Dabei sieht es ganz danach aus, als ob die Mehrheit der Anleger derzeit auf das falsche Pferd setzt. Oder doch nicht?

Hintergrund

"Defensive Mischfonds würde ich nicht mehr kaufen." Das sagt der Geschäftsführer der Investmentfondsboutique First Private, Richard Zellmann, im Interview bei "procontraonline" (vom 05.06.2015). Das erscheint angesichts der Tatsache, dass im 1. Quartal dieses Jahres die Mischfonds mit 4,4 Mrd. EUR die erfolgreichste Fondsanlageklasse waren, bemerkenswert. Dicht gefolgt von den Rentenfonds mit 3, 5 zugeflossenen Milliarden, während die dank im Zeitraum anhaltender Börsenhausse in dieser Zeitspanne außerordentlich performancereichen (DAX + 23,5 %) Aktienfonds nur 0,9 Mrd. frisches Geld verbuchen konnten.

In der Tat bilden die Mischfonds für viele Berater und Anleger den derzeit gewünschten Kompromiss, weil man sich nicht so richtig an den Aktienmarkt traut, aber doch von der Performance profitieren will. Außerdem rechnen die Anleger damit, dass der Rentenanteil im Depot und ein geschicktes Management die Verluste bei möglichen Börsenschwächen zumindest in Grenzen halten. Das kann aber auch, insbesondere bei wieder steigenden Zinsen, zu einem sehr enttäuschenden Ergebnis führen. Schließlich bestehen Mischfonds in der Regel aus Aktien und Renten. Je defensiver umso mehr Renten. Wenn nun der Zins steigt, die Festverzinslichen also an Wert verlieren (siehe Thema der Woche "Finanzvertrieb: Der Zinsanstieg und die Folgen") und der Aktienmarkt stagniert oder gar nachgibt und wenn dann das Fondsmanagement nicht gegensteuert, dann sind sehr wohl hohe Verluste auch bei den als Sicherheitsanlage beworbenen Mischfonds möglich.

Auswege aus dem Dilemma

Deutschlands bekanntester Dachfondsmanager, Eckhard Sauren, schickt in "procontraonline" vom 22.05.2015 die guten alten Dachfonds nun wieder ins Rennen. In der Tat weisen viele Dachfonds Vorteile auf, die in Zeiten steigender Zinsen gegenüber vielen Mischfonds einen entscheidenden Mehrnutzen bringen können, z.B. die Flexibilität. Sie können sich aus dem riesigen Fondsangebot diejenigen Fonds heraussuchen, die in der jeweiligen Situation die "richtige" Lösung bieten - während Mischfonds aufgrund ihrer kurzfristig nicht änderbaren Fondsbedingungen häufig daran gehindert sind, in andere Anlageklassen als in zuvor festgelegte Aktien- und Rentenanlageklassen zu investieren.

Sowohl Zellmann wie auch Sauren setzen auf Fonds, die auch derivative Strategien einsetzen, sog. Absolute Return Fonds . Vermittler, die diese Strategien dem Kunden erklären wollen und müssen, sind aber nicht zu beneiden. Allerdings konstatieren beide Experten, dass die vielgescholtenen Regulierungen des Finanzvertriebs auch eine positive Auslese bei den Beratern zur Folge hat, sodass für Anleger die Chance auf eine einigermaßen verständliche Erklärung der insgesamt höchst komplexen Abläufe und Gestaltungen im Absolute Return-Bereich zuletzt deutlich gestiegen ist.

Eine weitere Alternative bilden die sog. Sachwertanlagen. In einer Zeit, in der sich die Fachwelt darüber streitet, ob wir nun eine Immobilienblase bekommen oder haben oder nicht, erscheint das Engagement in der, aus der Sicht der meisten Deutschen, Sachwertanlage Nr. 1, der Immobilie , einigermaßen risikoreich - zumindest für sicherheitsorientierte Anleger.

Die Preisentwicklung beim Gold enttäuscht seit vielen Monaten. Immer wieder wird auf die Gefahr größerer Goldverkäufe durch in volkswirtschaftlichen Problemen steckende Staaten hingewiesen. Ein Ruhekissen sieht anders aus.

Bleiben die Aktien bzw. Aktienfonds , die zwar im Falle wieder steigender Zinsen zumindest vorübergehend in Kursturbulenzen kommen, aber auch von steigenden Zinsen und Inflationsraten profitieren könnten. Für langfristige Altersvorsorgeanlagen bleiben sie in jedem Fall erste Wahl.

Zusammenfassung

Besonders spannend wird, wie die nicht wenigen Anleger, die mit knapp 200 Mrd. EUR, (laut BVI-Statistik per 31.03.2015) derzeit in Rentenfonds engagiert sind, in der Zinswende abschneiden. Man kann erwarten, dass die Manager der entsprechenden Fonds versuchen werden, mit Laufzeitverkürzungen die Wertverluste in Grenzen zu halten. Ob das jeweilige Fondsmanagement die entsprechenden Dispositionen rechtzeitig und konsequent genug durchführt, ist dann die Frage. Häufig werden beim Anleger auch Fondswechsel notwendig sein, weil die jeweiligen Fondsbedingungen allzu kurze Laufzeiten nicht zulassen. Berater können die Entscheidung zum Fondswechsel an vermögensverwaltende Fondslösungen, wie z.B. Dachfonds, auslagern.

Wenn sich Berater und Anleger dem Urteil der beiden oben zitierten Fondsmanager anschließen, dann dürfte es einen Boom bei Absolute Return-Fonds geben. Aber Vorsicht, auch wenn das so scheint, Absolute Return bedeutet schließlich nicht, dass die Einzahlung garantiert ist. Gerade bei solchen Fonds braucht es für ein optimales Ergebnis ein besonders erfahrenes und kompetentes Fondsmanagement, das im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen trifft.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.