Aktuelles

22.06.2015

Vorsicht bei Restschuldversicherungen

Bei der Restschuldversicherung (auch Restkreditversicherung genannt) handelt es sich um eine Art Risikolebensversicherung. Sie löst die Restschuld eines Baukredits, eines Ratenkredits an Privatpersonen, eines Konsumentenkredits, einer Bau-Zwischen-Finanzierung, eines Privatkredits für Hochschulabsolventen zur Rückzahlung der BaföG-Leistungen oder eines kleingewerblichen Darlehns auf einen Schlag ab, falls der Versicherte verstirbt. Familie oder Hinterbliebene können so mit dem Todesfallkapital den restlichen Kredit tilgen. Kritiker raten Kreditnehmern aber, sich vor Abschluss einer Restschuldversicherung nach günstigeren Alternativen umzusehen.

Restschuldversicherungen sollen immer dann einspringen, wenn ein Kreditnehmer wegen Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit oder Tod sowie vereinzelt bei Scheidung, Unfall oder Pflegefall die Raten nicht mehr zahlen kann. Die Versicherung übernimmt dann den restlichen Kredit. Sie wird zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme abgeschlossen. Die Vertragslaufzeit entspricht der Laufzeit des Kredits. Sie löst die Restschuld eines Baukredits auf einen Schlag ab, falls der Versicherte verstirbt. Überlebt die versicherte Person die Versicherungsdauer, so wird kein oder nur sehr wenig Kapital ausbezahlt.

Bei Aufsicht und Verbraucherschützern stoßen dabei nicht die klassischen Policen zur Absicherung von Immobilien auf Kritik. Diese können durchaus ihre Daseinsberechtigung haben. Hier kann die Absicherung mit einer Restschuldversicherung sinnvoll sein, da sich Bauherren über viele Jahre finanziell festlegen. Der Abschluss einer Restschuldversicherung kann den finanziellen Ruin einer ganzen Familie verhindern. In aller Regel dauert es mehr als 20 Jahre bis ein Baudarlehen getilgt ist. Stirbt der Kreditnehmer, bevor die Schulden bezahlt sind, tritt die Restschuldversicherung ein und löst die Restschuld des Baukredits vollständig oder teilweise ab.

Die Kritik richtet sich vor allem an den Verkauf von Policen für Ratenkredite. Wer bei einer Bank Geld aufnehmen und leihen möchte, weil er Anschaffungen tätigen möchte, wird häufig in diesem Zusammenhang mit dem Angebot und Abschluss einer entsprechenden Versicherung konfrontiert. Bei kleineren Ratenkreditbeträgen sind solche Absicherungen meist völlig überflüssig und viel zu teuer.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht warnt Kunden auf ihrer Homepage explizit vor der Vertragsform: "Vorsicht! Restschuld- und Zusatzversicherungen sind nicht standardisiert. Informieren Sie sich vor Abschluss des Vertrages unbedingt über den genauen Versicherungsumfang und die Kosten."

Und auch diverse Verbrauchermagazine wie Finanztipp, Finanztest, Öko-Test sowie der Bund der Versicherten, Verbraucherzentralen und der Bundesverband sind sich in der Bewertung solcher Policen einig.

Die Gründe für die Kritik:

  • Manche Banken vermitteln dem Kunden beim Kreditabschluss den Eindruck, dass sie ohne die Versicherung kein Geld bekommen - doch solche Koppelgeschäfte sind nicht zulässig.

  • Es sollte zudem auf die Kosten des Versicherungsschutzes geachtet werden, die Policen sind recht teuer und kosten teilweise zwischen 13 % und 17 % des Auszahlungsbetrages.

  • Damit verteuern sie teilweise den Effektivzins massiv und nachhaltig.

Anbieter:

  • AXA Leben

  • APRIL Deutschland AG

  • BNP Paribas Cardif

  • Genworth Financial

  • Gothaer

  • Neue Leben

  • Provinzial Versicherungen

  • PB Lebensversicherung AG

  • R+V Lebensversicherung

  • Santander Insurance Life Ltd.

  • SV Sparkassen Versicherung

  • Targo Lebensversicherung

  • Versicherungskammer Bayern

Für manche Kunden sind die Verträge auch deshalb interessant, weil die Versicherer oftmals auch leisten, wenn man im Fall der Arbeitslosigkeit den Kredit nicht mehr bedienen kann. Diese Gefahr ist bei den meisten Risikolebensversicherungen nicht eingeschlossen. Die Verträge können eine Alternative sein, wenn Kunden einen hohen Kreditbetrag bei einem Hauskauf absichern wollen.

Gerade beim Risikoeinschluss der Arbeitslosigkeit gibt es allerdings auch, und das ist meistens nicht bekannt, Wartezeiten von sechs Monaten und eine weitere Karenzzeit von drei Monaten. Außerdem ist die Zahlung/Leistungsdauer oft auf die ersten zwölf Monate begrenzt.

Kunden können nicht nur über die Banken und Sparkassen sondern auch direkt beim Versicherer Restschuldversicherungen vereinbaren. Die Banken weisen bei den Kosten meist nur den Effektivzins für den Kredit aus, nicht aber, wie viel die Versicherung zusätzlich kostet. Deswegen ist es insofern transparenter, wenn man sich individuelle Angebote bei den Versicherern einholt.

Als Alternative können Versicherte auch eine Risikolebensversicherung mit linear fallendem Versicherungsschutz abschließen. Hier sinkt die Versicherungsleistung jährlich um einen konstanten Betrag, auch die Prämie wird so im Lauf der Zeit geringer. Es könnten aber auch bereits eine vorhandene Lebensversicherung oder ein Bausparvertrag als Sicherheiten für die Bank dienen. Zur teuren Restschuldversicherung gibt es also durchaus Alternativen.