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05.05.2015

Wölbern-Skandal: Achteinhalb Jahre Haft für Schulte

Zu achteinhalb Jahren Haft wurde Heinrich Maria Schulte, seines Zeichens Medizinprofessor und Finanzunternehmer, vom Hamburger Landgericht verurteilt. Er soll als Chef von Wölbern Invest 147 Mio. EUR gewerbsmäßig veruntreut haben. Das "Handelsblatt" berichtete u.a. von 30.000 betroffenen Anlegern, die in einen der 30 bei Finanzberatern äußerst beliebten und in der Branche über lange Jahre positiv beurteilten Wölbern Fonds investiert hatten. Wir berichteten mehrfach.

Neue Dimension

Was seit langem vom seriösen Teil des Finanzmarkts gefordert wird, nämlich angemessene Sanktionen in Fällen von Anlagebetrug, scheint in diesem Falle, soweit das noch nicht rechtskräftige Urteil bestätigt wird, umgesetzt. Schultes Anwälte haben laut "Handelsblatt" bereits Revision angekündigt. Auch die Staatsanwaltschaft erwägt derzeit in Berufung zu gehen, weil das Strafmaß nicht angemessen sei. Der Staatsanwalt hatte im Prozess zwölf Jahre Haft gefordert. Schulte bestreitet die Vorwürfe nach wie vor. Für alle fraglichen Zahlungen habe es belastbare Rechtsgrundlagen gegeben. Er habe sich auf seine juristischen Berater verlassen, von denen ein Insolvenzverwalter mehr als 150 Mio. EUR Schadenersatz verlangen soll. Die betreffende Kanzlei will sich gegen diese Ansprüche zur Wehr setzen.

Wo ist das Geld?

Das Geld sei über eine holländische Briefkastenfirma mittels 327 Einzelüberweisungen abgezweigt worden. Damit sollen neue Fonds angezahlt worden sein. Auch Schultes inzwischen insolvente Medizinfirma habe profitiert. Große Beträge seien laut Staatsanwaltschaft aber auch in Schultes privaten Luxus wie Privatjetflüge, seine Hamburger Villa, Segelyachten, Kunst und Schmuck geflossen.

Lerneffekte?

Der Wölbern-Skandal ist ein Beispiel dafür, dass im System geschlossene Fonds die Macht der Geschäftsführung so weit geht, dass unbemerkt von Anlegern und Beratern riesige Beträge entnommen werden können. Damit wird die von vielen deutschen Initiatoren und Vertrieben immer noch behauptete Eignung dieser Anlageform zur Altersvorsorge, Regulierungen hin oder her, eindrucksvoll widerlegt. Für Berater bleibt es nach wie vor schwierig, bei Anlagen außerhalb des umfangreich überwachten Wertpapiersektors qualitätsvolle Lösungen auszuwählen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.