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16.04.2015

Schwere-Krankheiten-Versicherung als Ergänzung zur BU-Absicherung

Der Versicherungsschutz zur Absicherung bei schweren Erkrankungen besitzt als Ergänzung zur Berufsunfähigkeitsversicherung sicherlich seine Berechtigung. Bei der Dread-Disease-Deckung handelt es sich um die Absicherung des Ausfalles der Arbeitskraft aufgrund des Eintritts einer u.U. lebensbedrohlichen, schweren Erkrankung oder eines bestimmten Unfalles oder eines chirurgischen Eingriffs. Genauer übersetzt bedeutet "Dread-Disease" die "gefürchtete Krankheit".

Die Versicherungsform stammt aus dem anglo-amerikanischen Raum und ist dort unter dem Begriff "critical illness" bekannt und verbreitet. Die Vertragsform wird in Deutschland auch als "Schwere Krankheiten-Versicherung" bezeichnet und besitzt schon seit Jahren eine eher marginale Bedeutung am deutschen Versicherungsmarkt.

Die Dread-Disease-Versicherung nähert sich einer BUV oder BUZ immer weiter an, je mehr Krankheitsursachen zu einer entsprechenden Leistung, einer Kapitalzahlung, führen können. Eine DD-Versicherung ist somit keine wirkliche Alternative zur Berufsunfähigkeitsabsicherung, sondern eine u.U. sinnvolle Ergänzungsmaßnahme ähnlich einer Unfallversicherung. Wer z.B. die Rentenhöchstgrenzen in der BUZ oder BUV ausgeschöpft hat, aber darüber hinaus noch Versorgungsbedarf hat oder als Keyman (Schlüsselposition) in einem Unternehmen tätig ist, kann einen solchen ergänzenden Versicherungsschutz ggf. gebrauchen.

Man unterscheidet drei Produktgestaltungen:

  • Dread-Disease-Versicherung als Hauptversicherung - eigenständiger Risikovertrag, auch mit fondsgebundenem Element, als Normaltarif oder als Kinderversicherung oder als Keyman-Schutz;

  • Dread-Disease-Versicherung als Zusatzversicherung - Zusatz zur Renten-, Lebens- oder Risikolebensversicherung, zu Fondspolicen, zur Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung); zur Gruppenunfallversicherung und Zusatzbaustein zur Krankenhaus-Zusatzversicherung.

  • Dread-Disease-Deckung als Baustein einer Multi-Risk-Police, Grundfähigkeits- oder Existenzschutzpolice, als Teilleistung in Invaliditätsprodukten.

Die selbstständige Dread Disease Versicherung ist in Deutschland nach wie vor eher ein Nischenprodukt. Häufiger sind dagegen Zusatztarife bzw. Vertriebsmodelle anzutreffen, in denen die Dread Disease Versicherung als Zusatzbaustein zu einer anderen Vertragsform angeboten wird.

Neben der Art der Hauptversicherung sowie dem Umfang und der Anzahl der versicherten Krankheiten hat insbesondere die gewählte Leistungsform einen entscheidenden Einfluss auf das Preis-/Leistungs-Verhältnis. Problematisch ist, dass seltene und nicht genannte Krankheiten gar nicht oder die versicherten Krankheiten nur definitionsgemäß versichert sind. Es existieren keine brancheneinheitlichen und angebotsübergreifenden Definitionen der Krankheitsbilder. Jeder Versicherer verwendet seine eigenen Formulierungen und Voraussetzungen für eine Versicherungsleistung. Dies macht eine direkte Vergleichbarkeit der verschiedenen Angebote schwierig bis problematisch.

Hinzu kommt noch, dass längst nicht alle Anbieter alle Krankheiten versichern. Vielmehr ist die Bandbreite der versicherten Krankheiten sehr groß und reicht von einer, über drei, sechs Krankheiten bei Zusatztarifen bis zu 34, 38 und 46 versicherten Krankheiten bei den selbstständigen Angeboten.

Die Canada Life hat für 2013 ihre häufigsten Leistungsfälle veröffentlicht. Dabei dominiert die Leistung bei Krebserkrankungen deutlich (Quelle: Canada Life 2014):

  • Krebserkrankung: 67 % der Leistungsfälle

  • Multiple Sklerose: 9 %

  • Herzinfarkt: 6 %

  • Schlaganfall: 5 %

  • Angioplastie: 5 %

  • Sonstige: 7 %

Insofern sollte man sich grundsätzlich die Frage stellen, ob die Vielzahl der versicherten Krankheiten für die zu versichernde Person tatsächlich das relevante Kriterium ist, zumal daraus ein überschaubarer Zusatznutzen entsteht. Offenbar ist die Absicherung der vier relevanten Krankheiten Krebs, MS, Herzinfarkt und Schlaganfall zu präferieren bzw. ausreichend.