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25.03.2015

Finanzvertrieb: Präzise Analyse kann vor Schadenersatz schützen

Ein neueres Urteil des Bundesgerichtshofs macht deutlich: Wenn ein geschlossener Fonds einen Anlegerschaden verursacht, dann kommt es auch auf das Anlageziel des Anlegers an, ob er in einem Schadenersatzprozess gegen seinen Vermittler erfolgreich ist oder nicht (BGH, 11.12.2014 - III ZR 365/13).

Die gute Nachricht für Berater

Was der Bundesgerichtshof in seinem aktuellen Urteil entschieden hat, spricht gegen die in Vermittlerkreisen oft resignativ diskutierte Pauschalmeinung, wonach immer dann, wenn ein geschlossener Fonds notleidend wird, der Vermittler wegen Falschberatung verklagt werden kann. In diesem Urteil differenziert der BGH danach, ob der Erwerb des Fonds der Altersvorsorge dienen sollte, wozu dieser, wie die meisten anderen geschlossenen Fonds, nicht geeignet war. Oder ob der Erwerb nur ein "Zubrot" (Formulierung des BGH), man könnte auch sagen eine Ergänzung, zu einer Altersvorsorge darstellt. Im letzteren Fall lässt das Gericht durchblicken, müsste eine Schadenersatzforderung abgelehnt werden.

Anlegergerechte Beratung

Es geht also um die anlegergerechte Beratung, d.h. um die Frage, ob eine empfohlene Anlage zur individuellen Situation eines Kunden passt oder nicht. Da kann es durchaus sein, dass auch eine sehr risikobehaftete Anlage, die zur Altersvorsorge dienen sollte, für den Finanzberater kein Haftungsrisiko beinhaltet, weil die Anlage eben zur Situation des Kunden passt. So könnte z.B. bereits eine breit diversifizierte Altersvorsorge bestehen, sodass die empfohlene Anlage als "Zubrot" zu qualifizieren ist. Oder es könnte zusätzliche Anlageziele geben, im Urteilsfalle ist z.B. von Steuervorteilen die Rede, die die Altersvorsorge als alleinigen Zeichnungsgrund relativiert. Es könnte aber auch einfach der Wunsch des Kunden sein, auch bei der Altersvorsorge Risiken einzugehen.

Empfehlung an den Vertrieb

Es kommt also auf die Analyse an, denn den Aspekt "Zubrot" kann ein Berater natürlich nur dann erfolgreich geltend machen, wenn er den Kundenwunsch und die Kundensituation in der Analyse sorgfältig dokumentiert hat. Standardtexte, wie sie vielfach verwendet werden, können das selten leisten.

Übrigens: Der BGH nimmt in diesem Urteil zu einer ganzen Reihe von Beratungsaspekten Stellung, sodass sich die Lektüre des gesamten Urteilstextes durchaus lohnen könnte.