Aktuelles

06.03.2015

Vier neue Berufskrankheiten sind seit 2015 anerkannt

Vier Krankheitsbilder sind seit Beginn dieses Jahres als Berufskrankheiten anerkannt und in die Berufskrankheitenverfahren bei den Unfallversicherungsträgern einbezogen worden. Die Berufskrankheitenverordnung (BKV) wurde entsprechend ergänzt. Das Bundeskabinett hatte diese Erweiterung bereits am 05.11.2014 beschlossen. Die Aufnahme erfolgt auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats »Berufskrankheiten« beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

Nicht jede Krankheit, von der man meint, sie sei im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit entstanden, ist sogleich auch eine Berufskrankrankheit. Für Dachdecker, Kfz-Mechaniker, Möbeltransporteure, Installateure, Schreiner, Fußbodenverleger, Mechaniker, Elektriker, Maschinisten, Forstarbeiter, Gärtner, Landwirte, Bergleute, Zimmerleute, Bauarbeiter, Maurer, Stahlbauschlosser, Schweißer an Brücken, Straßenarbeiter und viele andere Berufsgruppen gibt es aber neue Hoffnung im Kampf um die Anerkennung einer beruflich bedingten Erkrankung als Berufskrankheit. Denn betroffene Beschäftigte haben jetzt Anspruch auf eine Heilbehandlung aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder auf finanzielle Leistungen, sofern die Erkrankung zu einer Arbeitsunfähigkeit oder einer dauerhaften Erwerbsminderung führt.

Folgende vier Krankheitsbilder sind in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen worden:

  • Spezifische Formen des weißen Hautkrebses hervorgerufen durch jahrelange Sonneneinstrahlung. Die Fachbegriffe lauten Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen. Letztere sind Vorstufen des weißen Hautkrebses.

  • Das Carpaltunnelsyndrom, das durch eine Druckschädigung des im Unterarm befindlichen Nervs (nervus medianus) verursacht wird. Es kann durch bestimmte manuelle Tätigkeiten hervorgerufen werden.

  • Das Thenar-Hammer-Syndrom, das hervorgerufen wird, wenn die Hand beziehungsweise der Daumenballen (Thenar) als Hammer benutzt wird. Dabei kann es zu einer arteriellen Verletzung und Taubheitsgefühlen bis hin zu starken Schmerzen kommen.

  • Durch die Exposition von Schwefelsäuredämpfen ausgelöster Kehlkopfkrebs.

Praxishinweis

Berufskrankheiten sind Krankheiten, die in der sog. Berufskrankheiten-Liste (BK-Liste), der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung (BKV), aufgeführt sind. Diese BK-Liste enthält ausschließlich Krankheiten, die nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht sind und denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Dies waren bisher 77 Positionen.

Ist eine Erkrankung nicht in der Liste enthalten oder erfüllt sie nicht bestimmte Voraussetzungen, die in § 9 Abs. 1 SGB VII näher definiert werden, gibt es die Möglichkeit, in Einzelfällen eine Erkrankung "wie eine Berufskrankheit" anzuerkennen. Dazu müssen allerdings neue Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft vorliegen, die belegen, dass für eine bestimmte Personengruppe arbeitsbedingt ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer bestimmten Gesundheitsstörung zu erkranken, besteht. Der bloße Zusammenhang einer Erkrankung mit einer beruflichen Tätigkeit reicht also allein nicht aus, um die Krankheit als Berufskrankheit anerkennen zu können. Aus diesem Grund können auch die in der Bevölkerung weit verbreiteten "Volkskrankheiten" im Bereich Muskel- und Skelett oder auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur unter besonderen Voraussetzungen Berufskrankheiten sein.

Ärzte und Arbeitgeber sind verpflichtet, den Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit an den Unfallversicherungsträger zu melden. Auch die Krankenkassen sollen entsprechende Hinweise an den Unfallversicherungsträger geben. Natürlich können Betroffene ihre Erkrankung auch selbst bei ihrer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse melden.

Nähere Informationen zu den neuen Berufskrankheiten finden sich u.a. im Internetangebot der Berufsgenossenschaft Holz und Metall.