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27.02.2015

Geschlossene Fonds: Platzierungsrisiken nicht mehr beherrschbar?

Ein besonders publikumswirksamer Fall einer möglichen Insolvenz aufgrund von Platzierungsproblemen zeigt die aktuelle Problematik, die den Vertrieb geschlossener Fonds für seriös arbeitende Vermittler weitgehend unmöglich macht. Für Publicity dürfte der Fall zumindest in der Branche sorgen, da einer der über Jahrzehnte bei Anlegern und Vertrieb, beliebten Wölbern Holland-Fonds betroffen ist.

Hintergrund

In 2012 emittierte die Wölbern Invest den Wölbern Holland 72 mit einem Volumen von rund 18 Mio. EUR. Dafür wurde ein Büroneubau in Rotterdam erworben. In 2012 war bereits klar, dass die gesamte Branche durch ein tiefes Tal geht. Deshalb, und natürlich auch wegen der Verwerfungen bei der einst hochangesehenen Fondsgesellschaft (der Chef der Wölbern Invest sitzt seit 2013 in U-Haft), konnte das Eigenkapital nicht voll platziert werden. Der Informationsdienst "Gomopa", der sich in den letzten Monaten als besonders kenntnisreich bezüglich der Vorgänge bei Wölbern gezeigt hat, sieht nun eine drohende Insolvenz des Fonds. Laut Gomopa habe die Bank, die wegen der damals fehlenden Vollplatzierung, es fehlte ca. die Hälfte des geplanten Eigenkapitals, in die Bresche gesprungen war, der Fondsgesellschaft nahegelegt, die Immobilie zu verkaufen um das Darlehn zurückzuführen.

Die Anleger sollen in einem schriftlichen Umlaufverfahren eine Entscheidung treffen. Diese dürfte allerdings nicht leicht fallen, weil bei einem Verkauf mit einem Verlust von 85 % zu rechnen sei. Bei einer anderen von den Anlegern wählbaren Option soll ein Kapitalrückfluss von nur 4,2 % (!) in Aussicht stehen.

Schlussfolgerung für den Vertrieb

Das im Vertrieb chronisch unterschätzte Platzierungsrisiko kommt hier in einem spektakulären Fall zum Tragen. Es zeigt sich, dass aktuell bei der Entscheidung eines Finanzdienstleisters, ob er einen bestimmten geschlossenen Fonds seinen Kunden empfehlen soll, die Prüfung des Platzierungsrisikos zuallererst und lange vor der Prüfung der Qualität des Fonds, z.B. im Rahmen der vorgeschriebenen Plausibilitätsprüfung, ansteht.

Die aktuelle Marktlage bei den Unternehmensbeteiligungen führt automatisch bei jeder Emission zu einem absurd hohen Platzierungsrisiko. Viele Banken lehnen die Finanzierung von geschlossenen Fonds generell ab und kündigen Engagements aus der Vergangenheit frühestmöglich. Die vielen Schadenfälle im Bereich geschlossener Fonds sprechen sich inzwischen auch bei breiten Anlegerschichten herum. Die Risikoaufklärung in den Prospekten behandelt zwar in der Regel das Thema Platzierungsrisiko, jedoch nicht in Bezug auf die aktuelle Marktsituation, sodass es dem Berater obliegt, Interessenten entsprechend aufzuklären. Das sollte er dann, schon aus Haftungsgründen, deutlich dokumentieren. Wenn er allerdings so verfährt, wird es kaum noch zu einem Abschluss kommen können. Beachten Sie dazu bitte auch unsere Berichterstattung zur Marktentwicklung in 2014.

Zusammenfassung

Es fällt schwer, sich ein Szenario vorzustellen, in dem die seriöse Vermittlung von geschlossenen Fonds im aktuellen Marktumfeld noch möglich ist. Das schließt auch die Vermittlung von Dachfondskonstruktionen ein, bei denen das direkte Platzierungsrisiko zwar nicht im Vordergrund steht, bei denen aber das aktuelle Marktumfeld natürlich gleichfalls wirksam wird.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.