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25.02.2015

Deutsche Aktienkultur im Keller: Folgen für den Vertrieb

Eine Meldung, die in Zeiten von Aktienindexrekorden verwundert, macht die Runde: Im Jahr 2015 haben sich nach einer Studie des Deutschen Aktieninstituts 500.000 Menschen von Aktien und Aktienfonds verabschiedet. Damit hat sich der Trend aus 2013 weiter fortgesetzt. Von verschenktem Vermögen ist in der Studie die Rede. Wie sollen Berater und Vermittler damit umgehen?

Die Studie, die unter www.dai.de downloadbar ist, enthält eine Reihe von Informationen über einige für den Vertrieb wichtigen Schwerpunkte:

Dazu gehört z.B. die Differenzierung nach Aktien und Aktienfonds. So wird deutlich, dass der Rückgang hauptsächlich im Bereich der Aktionäre stattgefunden hat, während die Zahl der Aktienfondsbesitzer, die nach den Bedingungen der Studie auch die Eigentümer von Mischfonds beinhalten, sich nur ganz leicht verringert hat.

Bei der Demographie des Aktienbesitzes hat sich wenig verändert. So sind die höheren Bildungsschichten nach wie vor überproportional als Aktien- und Aktienfondsbesitzer präsent. Bei der Differenzierung West-Ost sind die Aktien-und Aktienfondsbesitzer aus dem Westen noch immer im Vorteil. Allerdings ist der Rückgang hauptsächlich im Westen zu verzeichnen. Interessant ist, dass bei jüngeren Aktien- und Aktienfondsbesitzern der Rückgang besonders stark ist. Während die über 40-Jährigen Rückgänge in der Größenordnung zwischen 7 % und 5 % zu verzeichnen haben, liegt die Quote der Rückgänge bei den 20 - 40-Jährigen zwischen 17 % und 18,5 %.

Konsequenzen für den Vertrieb

Angesichts dieser Entwicklung, die seit Jahren Thema in den Medien ist, muss sich der Finanzvertrieb ernsthafte Gedanken machen. Die Studie illustriert dies anhand einer hier verkürzt dargestellten Modellrechnung: Unter der Annahme, dass nur jeder vierte Euro, der seit 2001 in Bankeinlagen geflossen ist, in Aktien angelegt worden wäre, wären die deutschen Anleger heute um 106 Mrd. EUR reicher.

Für Finanzberater stellt sich die Frage, ob die Konsequenz aus dieser Entwicklung der Verzicht auf die Empfehlung von Aktienanlagen ist, was automatisch dazu führt, dass die derzeit sich im Niedrigstzinsmodus befindlichen zinsbasierten Produkte Vorrang erhalten. Trotz des stark gestiegenen Preisniveaus könnten auch Immobilien in den Fokus gerückt werden oder gar risikoreiche geschlossene Fondsprodukte.

Bewertung

Einen Hinweis bietet eine andere Statistik, nämlich die des BVI (www.bvi.de), also des Bundesverbandes der Investmentfondsunternehmen, der dank der Mischfonds für die beiden Fondsgruppen Aktienfonds und Mischfonds von einem insgesamt positiven Mittelaufkommen i.H.v. rund 12 Mrd. EUR in 2014 berichtet. Es gelingt offenbar doch, Anlegern den Aktienmarkt schmackhaft zu machen, wenn zusätzliche Sicherheitsaspekte mit verkauft werden. Dass Mischfonds weit beliebter sind als reine Aktienfonds ist nachvollziehbar. Schließlich sind viele Mischfonds und Dachfonds vermögensverwaltend angelegt und angesichts der offensichtlichen Unerfahrenheit in finanziellen Dingen des Großteils der Anleger wird eine professionelle Vermögensverwaltung dringend benötigt.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.