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06.01.2015

PKV-Tarif-Rating: Assekurata will es besser machen

Ratingagenturen haben Macht. Ob sie die Bonität eines Unternehmens bewerten oder einzelne Tarife: Ihr Urteil hat Gewicht bei Vermittlern und Kunden. Seit einigen Monaten setzt sich die Kölner Rating-Agentur Assekurata außer mit Unternehmens- und Bonitäts-Ratings deutscher Versicherer auch mit dem tatsächlichen Leistungsumfang von Tarifen in der Privaten Krankenversicherung (PKV) auseinander.

Versicherer lassen es sich einiges kosten, von unabhängiger Seite testiert zu bekommen, dass mit Unternehmen und Produkten alles in Ordnung ist. Und wenn nicht alles in Ordnung ist, besteht keine Verpflichtung, weniger schmeichelhafte Ergebnisse publik zu machen. Schließlich haben die Unternehmen für die Bewertung ja bezahlt.

Tarifbewertung nur zusammen mit Unternehmensrating

Assekurata befasste sich bisher ausschließlich mit der Beurteilung von Unternehmen aus Kundensicht und der Bonität von Unternehmen, die vor allem bei langlaufenden Verträgen, wie Kranken-und Rentenversicherungen, für Kunden eine besondere Rolle spielt. Neu hinzugekommen ist ein Rating von Krankheitskostenvoll- und Pflegetagegeld-Tarifen. Allerdings können sich dafür nur Unternehmen bewerben, die sich einem aktuellen Assekurata-Rating unterworfen haben. Damit werde sichergestellt, dass Tarifqualität nicht losgelöst von Unternehmensqualität betrachtet werden könne, so ein Sprecher des Unternehmens. Wer sich für eine Veröffentlichung der Ergebnisse entschließt, kann ein Kommunikationspaket bestehend aus einem Testsiegel und einer detaillierten Ergebnisdarstellung auf der Internetseite buchen.

Bisher wurden die Ergebnisse von sieben Allianz-PKV-Tarifen und einem Pflegetagegeld-Tarif ebenfalls von Allianz veröffentlicht. Die Ergebnisse: durchweg "Sehr gut" mit Noten zwischen 1,2 und 1,4. Die anderen zwölf Krankenversicherer, für die Assekurata ein Unternehmens-Rating erstellt hat und die daher theoretisch auch ein Tarif-Rating anmelden könnten, haben noch keine Ergebnisse veröffentlicht. Diese zwölf sind die Alte Oldenburger, Concordia, Debeka, Deutsche Familienversicherung, Deutscher Ring, Huk-Coburg, Hallesche, Inter, LVM, Nürnberger, Signal und Süddeutsche Krankenversicherung. Ob diese Versicherer Ihre Produkte raten lassen, ist ungewiss. Die Teilnahme ist absolut freiwillig.

Tarifbedingungen auf dem Prüfstand

Von der Methodik her untersucht und beurteilt Assekurata die Tarifbedingungen im Hinblick auf Klarheit, Verbindlichkeit, Fairness und Absicherungsumfang, da fast alle Kunden und auch viele Vermittler hier an ihre Grenzen stoßen: "Aufgrund der Vielzahl an Bereichen, aus denen Leistungen herrühren können, und der Abstufung in den Bedingungen, in welchem Umfang Leistungen übernommen werden, ist es für den Kunden äußerst schwierig, einen genauen Überblick zur Wertigkeit der Versicherungsbedingungen zu bekommen", begründet Assekurata den Ansatz.

Um ein grundsätzlich unterschiedliches Leistungsniveau von Tarifen berücksichtigen zu können, differenziert Assekurata die Produkte durch die Einordnung in die drei marktgängigen Kategorien Standard-, Komfort- und Topschutz. Dabei unterliegen alle drei Kategorien dem gleichen Anforderungskatalog an Grundleistungen. Diese setzen sich zum einen aus den Basisleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, wie sie im SGB V und in dessen Ausführungsbestimmungen definiert sind, und zum anderen aus darüber hinausgehenden Basisleistungen einer privaten Vollversicherung zusammen.

Deckelungen bei Hilfsmitteln führen zu Herabstufung

Der Preis spielt nur eine untergeordnete Rolle bei der Beurteilung, wie Geschäftsführer Dr. Reiner Will erklärt. "Wir haben uns die anderen Produktvergleiche in der PKV angeschaut und dort eine Lücke gesehen", meint er. Viele Vergleiche würden sich zu stark am Preis orientieren, der in der PKV aber nur eine Momentaufnahme sei. Assekurata untersuche, ob Kunden tatsächlich die Leistungen erhalten, die zu den einzelnen Leistungsstufen gehören. K.O.-Kriterien, die automatisch zu einer schlechteren Bewertung führen, sind z.B. Deckelungen bei Hilfsmitteln. 30 Leistungsbereiche der Vollversicherung werden über ein Punktesystem benotet, am Ende gibt es eine Einstufung nach folgendem Muster:

Punktesystem

Bewertung

Kategorie A-E

Punktvergabe

Alle Kriterien sind ohne Makel erfüllt.

A

100 % der möglichen Punkte

Kriterien sind bis auf kleine Makel erfüllt.

B

weniger als 100 % der möglichen Punkte

Mindestens ein gravierender Makel.

C

weniger als 66,6 % der möglichen Punkte

Der Leistungsanspruch ist ausgehöhlt.

D

weniger als 33,3 % der möglichen Punkte

Der Leistungsanspruch fehlt vollständig.

E

0 % der möglichen Punkte