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Aktuelles

10.09.2014

Dokumentationspflicht: Erschreckende Lücken

Vermittler, die der gesetzlich vorgeschriebenen Pflicht zur Dokumentation ihrer Beratungsleistung nicht nachkommen, müssen mit Bußgeldern, schlimmstenfalls sogar mit Entzug der Erlaubnis rechnen. Eine aktuelle Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) hat ergeben, dass sehr viele Vermittler davon betroffen sein könnten.

Vor allem Vermittler von Finanzanlagen leben laut der neuen ITA-Studie gefährlich: Demnach händigen Investmentfondsberater, die seit Anfang 2013 ebenso wie die Versicherungsvermittler (seit 2007) und die Unternehmen für Wertpapier-Dienstleistungen (seit 2010) ihre Beratungsgespräche dokumentieren müssen, nur an 52 % ihren Kunden eine entsprechende Unterlage aus. Das ergaben entsprechende Testkäufe im Auftrage des ITA.

Dieses Ergebnis ist umso bedenklicher, als dass im Bereich Finanzanlagenvermittlung - anders als bei Versicherungen - Kunden nicht in einen Beratungsverzicht einwilligen können. Daher müssen Finanzanlagenvermittler generell ein Beratungsdokument erstellen. Dieses Erfordernis ist deshalb besonders ernst zu nehmen, weil fehlende Dokumentationen dazu führen können, dass sie die jährliche Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer nicht bestehen. Nur wer jährlich einen Wirtschaftsprüfer-Bericht beim zuständigen Gewerbeamt vorlegt, kann seinem Gewerbe auch weiter ohne Probleme nachgehen. Wer keinen Bericht vorlegt, muss mit einem Bußgeld oder sogar mit einem Entzug der Erlaubnis zur Vermittlung von Finanzanlagen rechnen.

Schlechte Ergebnisse bei der Versicherungsvermittlung

Noch prekärer ist die Situation im Versicherungsbereich. Hier gibt es (noch) keine Pflicht einen jährlichen WP-Bericht vorzulegen. Vielleicht fallen die Zahlen, die die ITA-Studie ermittelte, deshalb noch schlechter aus als im Anlagebereich: Nur 18 % der Kunden, die einen Hausrat- oder Haftpflicht-Versicherungsvertrag abschließen, bekommen eine Beratungsdokumentation ausgehändigt. Bei privaten Rentenversicherungen sind es 14 % und bei Krankenversicherungen sogar nur 12 %. Anders ausgedrückt heißt das: Von 100 Kunden erhalten nur 12 eine einwandfreie Dokumentation über das Beratungsgespräch! Nimmt man Versicherungs- und Anlagevermittlung zusammen, gehen drei von vier Kunden leer aus.

Dokumentationen entsprechen nicht gesetzlichen Anforderungen

Was die Qualität ausgegebener Dokumentationen betrifft, heißt es bei der ITA: Wenn Dokumentationen übergeben wurden, erfüllen sie den beabsichtigten Zweck aber kaum. Dokumentationen sehen überwiegend eine Unterschrift des Kunden vor, mit der Kunden die Richtigkeit der Dokumentation bestätigen oder blanko unterschreiben sollen. Dadurch wird die Position des Kunden in einem Rechtsstreit nicht verbessert, sondern verschlechtert. Zahlreiche Dokumentationen ermöglichen Verbrauchern auch nicht, die Beratung besser nachzuvollziehen. Denn Dokumentationen berücksichtigen nicht immer die gesetzlichen Vorgaben und sind insgesamt nicht übersichtlich und verständlich genug. Oft werden Spannen verwendet, die keine richtige Bedarfsermittlung zulassen, oder wichtige Punkte (z. B. Risikotragfähigkeit) werden nicht oder nicht ausreichend ermittelt.

Insgesamt unterscheiden sich die Dokumentationen deutlich in ihrer Qualität. Keine Dokumentation entspricht vollumfänglich den Anforderungen an eine verbraucherfreundliche Dokumentation. In einzelnen Bereichen kommen Beratungsdokumentationen den Vorgaben zumindest nahe, vor allem in der Honorarberatung.