Aktuelles

17.10.2012

Zur Aufklärungspflicht des Arztes bei folgenschweren Risiken

Ein Arzt muss seinen Patienten vor einer Operation umfassend und sachgemäß über ein seltenes, den Patienten aber erheblich beeinträchtigendes Risiko des Eingriffs aufklären. In einem Schadenersatzprozess ist er insoweit beweispflichtig.

Der beklagte Zahnarzt hatte der Klägerin zwei Implantate eingesetzt. Infolge des Eingriffs leidet die Klägerin an einer dauerhaften Nervschädigung. Das OLG Koblenz, 06.07.2012 und 22.08.2012 - 5 U 496/12 hielt ein Schmerzensgeld in Höhe von 7.000 EUR für gerechtfertigt. Der Beklagte habe nicht nachgewiesen, dass er die Klägerin über alle Risiken umfassend und sachgemäß aufgeklärt hatte.

In einem Aufklärungsbogen des Beklagten stand zwar, die Behandlung berge das Risiko der Nervschädigung. Nach Auffassung des OLG erschloss sich der Patientin daraus aber nicht, dass die Nervschädigung zu einem dauerhaft verbleibenden Schaden mit nicht mehr zu beseitigenden Sensibilitätsstörungen führen konnte.

Auch wenn es sich hier um ein seltenes Risiko gehandelt hatte, musste der Arzt umfassend aufklären, weil die Komplikationen die weitere Lebensführung der Betroffenen besonders nachhaltig beeinträchtigen konnten. Wegen der unzureichenden Aufklärung hatte die Klägerin, die bei ordnungsgemäßer Information eine andere Behandlung gewählt hätte, hier nicht wirksam in den Eingriff eingewilligt.