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Aktuelles

08.03.2016

Forderungen nach Abschaffung der Riester-Rente: Die Beratersicht

Seit Wochen konkretisiert sich die Diskussion der Fachleute um die Abschaffung der Riester-Rente immer mehr. Inzwischen sind sich viele Kompetenzträger weitgehend einig in ihrer ablehnenden Haltung. Als Ersatz wird der sog. "Schäuble-Bond" diskutiert oder auch die "Deutschland-Rente". Was bedeutet das aus Beratersicht?

Hintergrund

"Handelsblatt" und "Spiegel-online" ebenso wie " procontraonline" zitieren mit dem Präsidenten des DIW Marcel Fratzscher und Clemens Fuest, dem designierten Chef des IFO-Instituts, zwei angesehene Fachleute mit Forderungen zur Abschaffung der Riester-Rente. Die Aussagen klingen drastisch und sie kommen von Persönlichkeiten, deren Meinung auch in Berlin gehört werden dürfte. Dass z.B. die Riester-Rente "eine Umverteilung zugunsten der Gutverdienenden und Finanzdienstleister" sei, sollte Berater aufmerksam werden lassen.

Dass mit dem Schäuble-Bond auch gleich eine Alternative genannt wird, die eventuell außerhalb der üblichen Finanzvertriebswege angeboten werden könnte, erscheint aus Beratersicht zusätzlich alarmierend. Schließlich könnte es passieren, dass das Anlageziel "Altersvorsorge" künftig "behördlich", z.B. durch die "Deutsche Rentenversicherung", organisiert wird. Das würde einen gravierenden Kompetenzverlust für die Finanzberater bedeuten, ganz zu schweigen von Umsatzeinbußen.

Die gleiche Gefahr droht bei der "Deutschland-Rente", die nach schwedischem Vorbild einen Prozentanteil des Bruttolohns, in Schweden sind es 2,5 %, obligatorisch entweder in einen Investmentfonds oder in einen Staatsfonds investiert. Denn auch bei diesem Modell ist die Deutsche Rentenversicherung als Abwickler im Gespräch.

Beurteilung

Was schief läuft bei der privaten Altersvorsorge, insbesondere in der breiten Arbeitnehmerschaft, dazu gibt es kaum noch unterschiedliche Meinungen. Dass es neue Ideen braucht und eine sinnvolle staatliche Förderung, ist auch kein Diskussionsthema mehr. Wenn nun Alternativlösungen zur Riester-Rente diskutiert werden, die der großen Mehrzahl der Arbeitnehmer einleuchtender und verständlicher erscheinen, dann dürfte die Riester-Rente keine Chance mehr haben.

Wegen des schlechten Rufs der Riester-Rente in Bezug auf deren Kosten, wird auch bei den alternativen Modellen viel über Kosten geredet. Diese sollen besonders niedrig gehalten werden.

Empfehlungen

Man kann sich nicht zu 100 % darauf verlassen, aber bisher hat es der deutsche Gesetzgeber noch immer hingekriegt, aus einfach erscheinenden Lösungen ein kompliziertes Konstrukt zu basteln, zu dessen Verständnis der Otto-Normalverbraucher einen Berater benötigt. Zur Komplexität werden auch die Lobbygruppen der Banken, Versicherungen und des Finanzvertriebs beitragen, die gegen eine rein staatlich-behördliche Lösung Sturm laufen werden. Für eine Entwarnung reicht das jedoch u.a. deshalb nicht, weil bei allen in den letzten Jahren zwischen Lobbys und Gesetzgeber ausgehandelten Kompromissen bei der Regulierung des Finanzbereiches das Haftungsrisiko der Berater deutlich anstieg. Deshalb empfiehlt es sich, den Entscheidungsprozess genau zu verfolgen und zu versuchen, über die Beraterverbände Einfluss zu nehmen.

Auf jeden Fall ist zu empfehlen, über den Wechsel zur Honorarberatung nachzudenken, um den Folgen der Kostenreduktion bei den Alternativmodellen zu entkommen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.