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Aktuelles

05.02.2016

Digitalisierung in der Versicherungsbranche: Ohne persönliche Beratung geht es nicht

Im Zuge der Digitalisierung wollen Startups den Versicherungsmarkt mit neuen Angeboten erobern, die vor allem auf Transparenz setzen und junge Zielgruppen ansprechen. Dafür werden bei der Beratung Abstriche gemacht. Aber so ganz ohne, wird es wohl nicht funktionieren.

Wenn sich in diesen Tagen Vertreter der Versicherungsbranche treffen, gibt es neben der Niedrigzinsphase vor allem zwei Themen: Digitalisierung und Fintechs. Unter letzteren versteht man Finanztechnologieunternehmen, also junge Unternehmen, die sich die Entwicklung der Digitalisierung zunutze machen, um neue, internetaffine Zielgruppen zu erschließen.

Einer der neuen Anbieter ist Clark , der nach eigenen Angaben Technologie mit persönlicher Beratung kombiniert und sich insbesondere an junge Menschen wendet, die auch gleich geduzt werden. Dabei sollen die schlanken Prozesse zu Kosteneinsparungen führen. Außerdem werden alle Provisionen offengelegt und die Berater über ein festes Gehalt bezahlt. Clark strebt explizit an, dass das Provisionsabgabeverbot abgeschafft wird. Dann soll das so eingesparte Geld an die Kunden weitergegeben werden - so lange das noch nicht erlaubt ist, wird es zum Teil gespendet und die Kunden werden darüber informiert. Die Höhe der Provisionen, die auf einen Vertrag entfallen, wird dabei in voller Höhe ausgewiesen.

Der Kontakt zu den Kunden erfolgt zunächst vor allem über die Website von Clark. Die Interessenten werden aufgefordert, ihre Versicherungsverträge in die Online-Formulare einzutragen und Clark per digitaler Unterschrift einen Maklerauftrag zu erteilen. Damit erlöschen natürlich alle anderen Aufträge.

Das Unternehmen erstellt eine Übersicht über die vorhandenen Verträge und vergleicht sie mit den Angeboten von gut 160 Versicherern. Wenn möglich macht es per Telefon, E-Mail oder Chat Angebote für bessere Alternativen, wobei die Beratung dokumentiert und diese Dokumentation dem Kunden zugeleitet wird. Der Kunde kann rund um die Uhr sein Versicherungsportfolio online einsehen, einzelne Versicherungen optimieren und neue Versicherungen abschließen. Einen persönlichen Berater bekommt er allerdings nicht.

Kein Vertrauensverhältnis

Hier setzt die Kritik der etablierten Versicherungswirtschaft an. Zu einem Maklerauftrag gehöre nun einmal auch die umfassende Beratung aus der Breite des Marktes, keine Schmalspurberatung von Fall zu Fall oder gar eine Veränderung ohne jegliche Beratung. Um wirklich umfassend beraten zu können, sei ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Kunde und Berater wichtig, bei dem auch über Veränderungen im Leben des Kunden und den dadurch notwendigen Anpassungen des Versicherungsschutzes gesprochen werde. Dies könne ein wechselnder Online-Berater nicht leisten, sodass beispielsweise die Gefahr bestehe, dass ein Kunden nicht darauf aufmerksam gemacht wird, wie wichtig eine Haftpflichtversicherung ist oder welche Vorteile er hat, wenn er sich möglichst in jungen Jahren für eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Altersvorsorge entscheidet.

Versicherungsbranche darf den Anschluss nicht verlieren

Trotzdem ist das Aufsteigen von Fintechs wie Clark ein deutliches Warnsignal, dass ein Weitermachen wie bisher nicht ausreichen wird, wenn die Versicherungsbranche nicht den Anschluss an die aktuelle Entwicklung und damit den Kontakt zu jüngeren Zielgruppen verlieren will.

Als Impulsgeber, die wichtige Schwachstellen aufzeigen, sind Unternehmen wie Clark auf jeden Fall ernst zu nehmen. Insbesondere das Thema Transparenz und die Frage, wieviel an Provisionen konkret auf einen Vertrag entfallen, darf nicht länger unter den Tisch gekehrt werden. Auch die Vielseitigkeit der Vertriebswege und die Möglichkeit, dass die Kunden rund um die Uhr Zugang zu ihrem Versicherungsporfolio haben, sollte zur Nachahmung reizen - die Zeiten, in denen der Vermittler dies als sein persönliches Herrschaftswissen hütete, dürften vorbei sein.