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Aktuelles

19.01.2016

Aktuelle Vorgehensweisen von Beratern und Anbietern bei Schadenfällen

Manchmal zu Recht, oft zu Unrecht, werden in der Finanzbranche die Aktivitäten der sog. Anlegeranwälte kritisiert. Dagegen hört man wenig von den Arbeits- und Vorgehensweisen der Anwälte, die für Vermittler,Berater und Anbieter, die von Schadenersatzforderungen bedroht sind, mandatiert werden.

Hintergrund

Insbesondere im Bereich der geschlossenen Fonds gibt es aktuell eine Fülle von Schadenfällen, die sich in den unterschiedlichsten Ablaufstadien befinden. Je größer die Anzahl der Beteiligten, umso größer die Chance oder das Risiko frühzeitiger kritischer Anfragen zum Beteiligungsverlauf. Anlass kritischer Nachfragen kann zum Beispiel sein, dass die versprochenen Ausschüttungen erstmals gekürzt werden, ein verspäteter Jahresbericht oder der Wechsel des Bilanzprüfers. Der Anbieter, bei geschlossenen Fonds, also die Verantwortlichen der Fondsgesellschaft, wissen natürlich schon früh, zumal wenn der Schaden von vornherein geplant war, dass es im Verlauf Ärger mit den Anlegern geben könnte oder wird. Um alle juristischen Möglichkeiten von Anfang an nutzen zu können, wird deshalb von der Fondsgesellschaft häufig auch schon früh eine Anwaltskanzlei beauftragt, um Kritikfälle zu bearbeiten.

Maßnahmen zur Prävention

Die eingeschalteten Rechtsanwaltskanzleien versuchen Maßnahmen gegen eventuelle juristische Schritte von Anlegern zu ergreifen um Klagen, und damit die Unterbrechung der Verjährung, zu verhindern - eine Auswahl:

Material sichten: In der Emissionsphase verwendete Dokumente wie Emissionsprospekt, Werbefolder usw. werden überprüft, ob sie Angriffspunkte bei eventuellen Schadenersatzprozessen bieten. Das kann z.B. auch zur Folge haben, dass der Vermittler bei seinem Kunden auftaucht, um die "Papiere zu ordnen", wobei er dann "Überflüssiges entfernt".

Beratungsdokumentation nacharbeiten: Berater und Vermittler werden angehalten, eventuell fehlende Beratungsdokumente neu zu erstellen. Da kann dann aus einem sicherheitsorientierten Anleger auch mal ein dynamischer werden.

Beteiligungsübernahme anbieten: Die Vorgehensweise ist relativ neu, wird jedoch aktuell häufig angewandt, ist äußerst wirkungsvoll aber natürlich eher unfair gegenüber dem Anleger. Dabei bietet der Berater dem sich geschädigt fühlenden Anleger die Übernahme bzw. den Kauf der Beteiligung an. Der zuvor um sein Geld fürchtende Anleger lässt sich so häufig über Monate und Jahre ruhigstellen, weil er den oft falschen Schluss aus dem Angebot zieht, dass die Beteiligung besonders werthaltig sein muss. Dass es dann nicht zum Beteiligungskauf durch den Vermittler kommt, ist oft Teil des Plans.

Empfehlung für betroffene Berater

Nicht immer sind die Anbieter vorausschauend genug, sich frühzeitig erfahrenen juristischen Rat zu sichern und nicht immer sind sie zu Unterstützungsmaßnahmen für ihre Vertriebspartner bereit. Es ist deshalb zu empfehlen, bei ersten Anzeichen von Schieflagen den Anbieter mit ins Boot zu nehmen. Schließlich geht es dabei für den Berater um viel Geld in Form von Anwalts- und Gerichtsgebühren sowie Recherchekosten. Viele Berater und Vermittler sind im Falle eines Falles damit weit überfordert und so daran gehindert, ihre rechtlichen Chancen überhaupt wahrzunehmen und sind damit leichte Opfer von Anlegeranwälten.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.