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Aktuelles

30.12.2015

Sturmschaden in der Gebäudeversicherung muss nicht immer unmittelbar entstehen

Das Landgericht Dortmund hatte sich im Urteil vom 10.09.2015 - 2 O 240/11 mit der Auslegung einer Klausel in der Sturmschadenversicherung zu befassen.

Der Fall

Der Kläger unterhielt für ein Wohngebäude bei der Beklagten auf der Grundlage der VGB 88 eine Gebäudeversicherung zum gleitenden Neuwert. Versichert waren u. a. die Schäden Sturm/Hagel. Die VGB enthielten auch folgende Regelungen:

"§ 8 Sturm, Hagel

 1.

Sturm ist eine wetterbedingter Luftbewegung von mindestens Windstärke 8.

 2.

Versichert sind nur Schäden, die entstehen

  • durch unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen,

  • dadurch, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf versicherte Sachen wirft,

  • als Folge eines Sturmschadens gemäß a) oder b) an versicherten Sachen."

Bei Wind mit einer Stärke von 8 stürzte ein Baum, der auf einem Nachbargrundstück stand, auf das versicherte Gebäude.

Der Kläger begehrte von der Beklagten Ersatzleistungen (abzüglich der vom Haftpflichtversicherer des Nachbarn erhaltenen Schadenersatzzahlungen).

Die Entscheidung

Die Klage war begründet. Der Kläger hatte den Eintritt des Versicherungsfalles bewiesen. Nach § 8 Nr. 2 b) der Versicherungsbedingungen waren Schäden versichert, die dadurch entstehen, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf versicherte Sachen wirft. § 8 Nr. 2 b) der Versicherungsbedingungen erfordert - anders als Nr. 2 a) - keine unmittelbare Sturmeinwirkung. Es reicht vielmehr aus, dass der Sturm die Ursache dafür ist, dass Bäume auf oder gegen das versicherte Gebäude fallen.

Aus dem Wortlaut "dadurch, dass der Sturm ... wirft" ergibt sich - so das Gericht - für einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer nicht, dass nur solche Schäden versichert sind, die durch Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände verursacht werden, die unmittelbar während des Sturmes umherwirbeln. Es fehlt in § 8 Nr. 2 b) nämlich anders als in Nr. 2 a) die Einschränkung "unmittelbare Einwirkung".

Die vorgenannten Voraussetzungen von § 8 Nr. 2 b) der Versicherungsbedingungen lagen vor. Am Schadentag herrschte unstreitig auf und im Bereich des Grundstücks Wind mit einer Stärke von 8.

Aufgrund des aus der Sicht des Gerichts nachvollziehbaren und überzeugenden Gutachtens des eingeschalteten Sachverständigen stand zweifelsfrei fest, dass durch die Einwirkung dieses Sturms eine Buche, die auf dem Nachbargrundstück stand, auf das versicherte Gebäude gestürzt war.

Gemäß § 15 Nr. 1 b) der Bedingungen waren bei beschädigten Sachen die notwendigen Reparaturkosten zurzeit des Eintritts des Versicherungsfalles zu ersetzen.