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Das Risiko Berufsunfähigkeit wird weiterhin unterschätzt

Obwohl Arbeitnehmer mittlerweile seit zehn Jahren nur noch eine deutlich eingeschränkte gesetzliche Rente im Fall der Berufsunfähigkeit erwarten können, haben die meisten keinen privaten Zusatzschutz, der im Ernstfall wirklich ausreicht. Grund dafür ist auch ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber der Leistungsbereitschaft der Versicherer. Mit einer gründlichen Information vor Abschluss der Versicherung könnte dem entgegengewirkt werden.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt für alle Arbeitnehmer zu den wichtigsten Versicherungen. Insbesondere die Jahrgänge ab 1961 bekommen, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können, nur eine schmale Erwerbsminderungsrente. Generell gilt, dass eine staatliche Rente nur dann gezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage ist, mehr als drei Stunden pro Tag zu arbeiten, ansonsten gibt es nur eine Teilrente. Auch der Berufsschutz wurde aufgehoben.

Dagegen kann man sich mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung schützen. Die meisten Versicherungsgesellschaften verzichten in ihren Versicherungsbedingungen mittlerweile auf die "abstrakte Verweisung", nach der ein Versicherter bei Arbeitsunfähigkeit in seinem Beruf jede beliebige andere Tätigkeit annehmen muss. In einem Beitrag für "Welt Online" vom 31.01.2010 weist Hans-Werner Thieltges allerdings darauf hin, dass der Versicherungsschutz meist nicht ausreicht. Die meisten Policen hätten lediglich eine Art Alibifunktion, um das Gewissen ihrer Besitzer zu beruhigen - im Ernstfall würden sie kaum ihren Zweck erfüllen, weil die vereinbarte Rente viel zu niedrig sei, um den bisherigen Lebensstandard zu halten. Viele Verbraucher schreckten vor dem Abschluss einer Versicherung zurück oder wollten nur so wenig wie möglich dafür investieren, weil sie glaubten, dass der Versicherer im Ernstfall ohnehin Gründe finden würden, um nicht zu zahlen. Deshalb sei es sinnvoll, sich über die Tarife und Kompetenzen der einzelnen Versicherungsgesellschaften gründlich zu informieren, bevor man eine Anfrage startet und Gefahr läuft, abgelehnt zu werden. Denn dann droht, im sogenannten "Hinweis- und Informationssystem" des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft als unversicherbar zu landen.

Hilfreich könnten dabei Untersuchungen wie die des Analysehauses Morgen & Morgen sein, das 362 Tarife von 83 Anbietern auf ihre Kompetenz und Kundenfreundlichkeit hin geprüft hat. Verbraucherschützer würden außerdem empfehlen, den Berufsunfähigkeitsschutz als Risikovorsorge und den Sparvorgang zu trennen, also eine Risikolebensversicherung mit einer Zusatzversicherung zu kombinieren, so Thieltges. Dabei sollten allerdings die Tarife sorgfältig verglichen werden - wenn man den falschen Anbieter wählt, müsse man für die gewünschte Rente bei einigen Anbietern bis zu 100 % mehr zahlen als bei günstigeren Anbietern.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Susanne Görsdorf-Kegel.