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Beitragsfreie Mitversicherung in der GKV belastet deutsche Familien
Die beitragsfreie Mitversicherung sorgt in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht für die gewünschte Entlastung deutscher Familien. Im Gegenteil: In einer Studie hat das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) herausgefunden, dass in der GKV versicherte Familien deutlich mehr zahlen, als sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Dies berichtet das Magazin PKVpublik in seiner aktuellen Ausgabe (Heft Mai/2009, S. 10 - 11).
Die Ergebnisse der WIP-Studie "Solidarität in der GKV: Was leistet die beitragsfreie Familienversicherung?" und die im aktuellen WIP-Diskussionspapier "Familienförderung in der gesetzlichen Krankenversicherung?" zusammengefassten Erkenntnisse zeigen ein eindeutiges Bild: Eltern bzw. Familien werden in der GKV unverhältnismäßig stark belastet und zahlen unterm Strich drauf. WIP hat für die Studie statistische Daten zu allgemeinen Versicherungsprofilen, Gesundheitskosten und -verläufen ausgewertet und in einer Abschlussrechnung gezahlte Beiträge und ausgezahlte Leistungen gegenüber gestellt. Das Ergebnis der Berechnungen mit Blick auf die Familie: Aufgewendete Versicherungsbeiträge und tatsächlich verursachte Gesundheitskosten bewegen sich erst bei Familien mit mindestens vier Kindern auf einem Niveau - bei 1,4 Kindern pro deutschem Haushalt eine Seltenheit.
Eine deutsche Familie mit einem durchschnittlichen Einkommen, so die Studie, ist in der GKV also eindeutig Nettozahler. Von einer Stärkung des Instituts Familie - von der Politik als zentrale gesellschaftliche Aufgabe der Zukunft postuliert - kann also in der GKV keine Rede sein. Ein Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht das Dilemma. Eine Familie (Eltern beide 40 Jahre) zahlte im Jahr 2006 6.200 EUR in die GKV ein, verursachte auf der anderen Seite aber nur Gesundheitskosten in Höhe von durchschnittlich 3.900 EUR. Mit einem Überschuss von 2.300 EUR sind es also vor allem die Familien, die kostenintensivere GKV-Gesundheitsgruppen wie zum Beispiel Rentner finanzieren - und somit mehr als nur solidarisch auf der Zahlerseite stehen. Die Notwendigkeit, die Gesundheitskosten der älteren Bevölkerungsschichten durch eine stärkere finanzielle Belastung der Jüngeren auszugleichen, geschieht also vor allem zulasten der Familien. Eine deutsche Familie mit zwei Kindern, so die Berechnungen des WIP, trägt etwa die Gesundheitskosten für einen Rentner - sei dieser einkommensstark oder -schwach. Ein Ende dieses familiären Subventions-Trends ist mit Blick auf die demografische Entwicklung der Gesellschaft nicht zu erwarten, da die Gruppe der Rentner in den kommenden Jahrzehnten deutlich wachsen und damit auch deutlich mehr Gesundheitskosten verursachen wird.
Das die kostenfreie Mitversicherung in der GKV für eine Entlastung der Familien sorgt, ist also ein Trugschluss. Fakt ist dagegen, dass die Finanzierung der GKV mittlerweile unverhältnismäßig stark auf den Schultern der Familien lastet. Eine Stärkung der Familien - wie vielerorts gefordert - wird in der GKV also keinesfalls geleistet, vielmehr ist das genaue Gegenteil der Fall.
Dieser Beitrag wurde erstellt von Alexander Tanner.


